Aufschaukeln
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Um 07:23 Uhr fährt die S-Bahn pünktlich in Wolfratshausen ab.
Irgendwo unterwegs auf freier Strecke wird der Zug langsamer, es wird durchgesagt “Unsere Weiterfahrt verzögert sich wegen einer Störung an einem Bahnübergang”. Wir bleiben aber nicht stehen.
Ca. 8:22, mit mehr als 20 Minuten Verspätung, erreichen wir den Heimeranplatz. Die Infotainment-Anzeige nennt als Ankunftszeit am Hauptbahnhof 8:25.
Ich steige aus, um zur U-Bahn zu wechseln. Auf der Treppe abwärts höre ich: “Information zu S7 nach Wolfratshausen, Abfahrt 8:20 Uhr: fällt heute aus. Grund dafür ist eine Störung an einem Bahnübergang.” Eigentlich eine gute Ansage, denn sie nennt die Störung und den Grund, aber ohne den Hintergrund oben ist sie wahrscheinlich eher verwirrend. Und ja, der Ausfall liegt an genau dieser Störung: Wenn unser Zug einigermaßen pünktlich (fahrplanmäßig: 08:05 Uhr) am Hauptbahnhof angekommen wäre, dann hätte er um 08:14 von dort den Rückweg angetreten und wäre um 08:20 am Heimeranplatz gewesen.
Mein Weg führt mich also von der S-Bahn-Station Heimeranplatz zur gleichnamigen U-Bahn-Station, zwei Stockwerke tiefer. Die nächste U-Bahn soll in 6 Minuten fahren, aber der Bahnsteig ist ziemlich voll. Anscheinend ist die vorige ausgefallen (sie fahren um diese Zeit alle 4 bzw. 6 Minuten). Entsprechend ist diese U-Bahn rappelvoll. Ich nehme eine später, aber die folgt schon nach 2 statt nach 4 Minuten. Anscheinend hatte die andere durch die vielen Fahrgäste schon bis hier, ihrer vierten Haltestelle, um zwei Minuten verspätet.
Der Effekt ist bekannt und leicht erklärt: Durch die Verspätung (in diesem Fall sogar einen Zugausfall) warten mehr Leute am Bahnsteig und brauchen länger zum Einsteigen. Dadurch kommt der Zug noch später weg, wodurch an der nächsten Station noch mehr Leute warten, die noch länger zum Einsteigen brauchen, …