Westtangente
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München plant und baut derzeit mehrere neue Straßenbahnlinien. Eine davon, die sogenannte “Westtangente”, betrifft uns, weil sie die Fürstenrieder Straße (eine der großen Ein- und Ausfallstraßen in München) zur Großbaustelle macht, durch die wir müssen, wenn wir morgens mit dem Auto zur Arbeitsstelle meiner Frau fahren.
Bauabschnitte und Fortschritt
Die Westtangente hat vier Bauabschnitte:
- vom Romanplatz im Norden (wo sich mehrere Tramlinien begegnen) bis etwa 300m südlich des S-Bahnhofs Laim,
- von dort bis zur Ammerseestraße (die verläuft parallel zur und mündet schließlich in die A96 = E54 = Autobahn München–Lindau),
- weiter über die A96 bis kurz vor der Anschlussstelle “München-Kreuzhof” der A95 (= E533 = Autobahn München–Garmisch-Partenkirchen),
- und schließlich unter der A95 hindurch, dann nach Osten schwenkend zur U-Bahn-Station Aidenbachstraße.
Im Bauabschnitt 2 wird die neue Linie zunächst die bestehenden Trambahnlinien 19 (Pasing–Agnes-Bernauer-Straße–Hauptbahnhof–Berg am Laim) und 18 (Gondrellplatz–Ammerseestraße–Hauptbahnhof–Schwanseestraße) zwischen Ammerseestraße und Agnes-Bernauer-Straße verbinden. Wie ich gerade herausgefunden habe, wird diese neue Linie die Nummer 14 tragen und von Pasing zunächst nach Osten fahren (wie die Linie 19), bis sie an der Kreuzung Fürstenrieder Straße/Agnes-Bernauer-Straße nach Süden schwenkt, um ab der Ammerseestraße nach Westen der Strecke der Linie 18 zum Gondrellplatz zu folgen. Starttermin dieser Linie soll der 28.02.2016 sein (früher war einmal von Ende 2025 die Rede).
Vor rund 2 Jahren, im Februar/März 2024, wurde damit begonnen, die Bäume und Büsche auf dem Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen im Bauabschnitt 2 zu entfernen und die Straßenlampen von dort zum Straßenrand zu versetzen. Die eigentlichen Bauarbeiten begannen dann im Mai.
Man hat – sinnvollerweise – die Gelegenheit genutzt, um eine Hauptwasserleitung zu erneuern, was den reinen Tram-Bauplan natürlich verzögert hat. Mittlerweile sind die Gleise für den ersten Abschnitt weitestgehend verlegt, die Haltestellen entstehen gerade und zum Teil ist der Bereich zwischen und um die Gleise auch schon mit Erde aufgefüllt, die wohl mit Grassamen vermischt ist.
Auch im Bauabschnitt 3 wurde der Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen längst beseitigt und mit Bauarbeiten angefangen. Damit ist der gesamte Bereich der Fürstenrieder Straße von der A95 bis zum S-Bahnhof Laim Baustelle.
Hindernisse, Abhängigkeiten
Bauabschnitt 1
Die Unterführung unter dem Bahnhof Laim (der nicht ebenerdig ist sonder höher liegt) soll durch eine neue Röhre für Busse und Tram erfolgen; in den beiden existierenden Röhren verlaufen derzeit ein Fuß- und Radweg bzw. eine Straße. Bauträger ist hier die Bahn, die gleichzeitig den Bahnhof Laim im Rahmen der 2. Stammstrecke umbaut. Die Fertigstellung verzögert sich immer wieder, so dass die Westtangente hier stockt (ob weiter nördlich schon dafür gebaut wird, kann ich nicht sagen, weil ich so weit nicht komme).
Bauabschnitt 2
Hier haben die erwähnten Arbeiten an der Wasserversorgung zu Verzögerungen geführt.
Bauabschnitt 3
Die Brücke über die A96 muss erneuert werden – anscheinend ist ihre Tragfähigkeit zu gering für die Tram (oder die Erschütterungen, die durch den schienengebundenen Verkehr entstehen; hier rollen dann ja nicht luftgefüllte Reifen auf Asphalt, sondern Metallräder auf Metallschienen). Abrissarbeiten haben in der vergangenen Woche anscheinend begonnen.
Hinzu kommt, dass die erwähnte Hauptwasserleitung hier anscheinend auf der Unterseite der Brücke über die Autobahn geführt wurde; ihre Verlegung ist im Gange.
Das alles scheint man bei im wesentlichen weiterlaufendem Verkehr bewerkstelligen zu wollen.
Bauabschnitt 4
Hier fehlt noch die Baugenehmigung, sie wird im 1. Quartal 2026 erwartet.
Vor allem besteht aber auch hier eine große externe Abhängigkeit: Hier führt die A95 direkt neben der Autobahnanschlussstelle über eine Brücke, die ebenfalls erneuert werden soll. Erst wenn das passiert ist, kann man darunter die Tramstrecke bauen.
Auswirkungen auf uns
Wir fahren morgens mit dem Auto zur Arbeitsstelle meiner Frau in Laim (vor Beginn der Bauarbeiten ca. 30 Minuten gegenüber ca. 70–80 mit dem ÖPNV), von dort fahre ich dann mit U- oder S-Bahn weiter zum Ostbahnhof (damit bin ich dann ca. 60–70 Minuten unterwegs, gegenüber 90 Minuten plus Verspätungen, wenn ich nur die Öffentlichen benutze).
Wir kommen von Süden über die A95 nach München, verlassen diese an der Anschlussstelle München-Kreuzhof und folgen dann der Fürstenrieder Straße nordwärts, bis irgendwo zwischen der U-Bahn-Station Laimer Platz und der S-Bahn-Station Laim. Wir sind somit fast vom vollen Umfang der Bauabschnitte 2 und 3 betroffen, auf rund 5km Länge.
Als wir bald nach Beginn der Bauarbeiten in die ersten Staus geraten waren, haben wir unsere Abfahrtszeit zu Hause von 06:45 Uhr auf 06:30 vorverlegt; seit wir vor knapp einem Jahr, nach einer der vielen Änderungen der Verkehrsführung, plötzlich wieder im Stau standen, peilen jetzt 06:00–06:15 Uhr an. Das heißt in der Konsequenz, dass wir uns um 05:00 Uhr wecken lassen.
Apropos Verkehrsführung: Die Fürstenrieder Straße ist von 2–3 Fahrspuren pro Richtung plus Parkbuchten auf 1 pro Richtung (ohne Parkbuchten) verengt; diese beiden Fahrspuren verlaufen mal auf der linken, mal auf der rechten Straßenseite, oft zusammen. Die gelben Fahrbahnmarkierungen leiden natürlich unter den hohen Verkehrsaufkommen und sind dann oft abgelöst. Wenn dadurch nicht mehr erkennbar ist, wo welche Spur verläuft, wird das schon heikel.
Ja, wir haben uns Alternativrouten angeschaut; fast alle scheitern daran, dass gleichzeitig die U5 vom Laimer Platz nach Pasing verlängert wird und dadurch auch weiter westlich viele mögliche Ausweichstrecken nicht verwendbar sind.